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Ex nihilo - Podcast English

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Auteur(s): Martin Burckhardt
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Thoughts on time

martinburckhardt.substack.comMartin Burckhardt
Art Philosophie Sciences sociales
Épisodes
  • Vom Schlaf der Vernunft
    Jan 28 2026
    im Rahmen der internationalen Studienwoche an der Hochschule LuzernSehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,Sie hören’s schon an der Anrede: Ich gehöre einer untergehenden Welt an. Tatsächlich ist das ein Thema, das mich seit langer, langer Zeit begleitet – und wenn Sie sich in dieser Studienwoche mit der »Frage der sozialen Arbeit angesichts antidemokratischer Gesellschaftstendenzen« beschäftigen, dann sehen wir, dass eine dunkle Woke über uns heraufgezogen ist, aber es gibt kaum jemanden, der plausibel erklären kann, warum das eigentlich passiert ist. Dieses große Warum zu erhellen und der Frage nach den Gründen für das grassierende Unbehagen in unserer Kultur nachzugehen, wäre die Aufgabe – denn ist die Krankheit unbekannt, sieht’s mit der Behandlung doch eher schlecht aus. Da laboriert man halt an den Symptomen… Also: Warum? Und was ist da eigentlich passiert? Von Goya gibt es einen wunderbaren Bildtitel, nämlich: »Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer«. Wenn wir das für einen Moment einmal, als gedankliche Hypothese, stehenlassen, dann wäre abzuleiten, dass sich unsere derzeitigen Kalamitäten auf einen Schlaf der Vernunft zurückführen lassen. Das führt uns gleich zu einem weiteren großen Psychologen, Nietzsche nämlich, der den wunderbaren Gedanken notiert hat: »Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.« Das ist, wie ich denke, eine präzise Beschreibung unserer heutigen politischen Diskurse. Denn wenn Sie sich umschauen, dann sehen Sie, ob links oder rechts, lauter Menschen, die sich an irgendwelchen Ungeheuern festhalten – und die sich dabei selbst, ganz unversehens, dem annähern, was sie da eigentlich bekämpfen wollen. Man könnte das, mit Hans Magnus Enzensberger, einen »molekularen Bürgerkrieg« nennen – in jedem Fall haben wir es mit einem Verlust an Zivilität zu tun, den ich in meinem ganzen, nicht mehr ganz jungen Leben so zuvor nicht habe feststellen können. Aber ich will mich hier gar nicht mit Details aufhalten, sondern möchte gleich ins abgründige Thema hineinspringen: Was ist passiert? Oder genauer: Was haben wir eigentlich verschlafen? Wenn wir das so nehmen, wird die Geschichte plötzlich interessant. Denn es stellt sich die Frage, ob die Erzählung, die wir als Wirklichkeit ausgeben, überhaupt noch Relevanz besitzt – und Sie mit lebbaren, praxistüchtigen Handlungsoptionen ausstattet. Hier schon setzt mein erster Zweifel an. Denn wenn Sie einen Zeitgenossen, genauer: einen Intellektuellen fragen, wie er sich unsere Welt in 10, 20 Jahren wohl ausmalen wird, wird er Ihnen entgegnen, dass er schön froh wäre, wenn er das nächste Jahr überblickte. Ein Beispiel: ich habe vor nicht allzulanger Zeit, im Rahmen eines Symposions zur Zukunft der Bildung, vor gut 100 Bildungsphilosophen einen Vortrag gehalten – und das Bemerkenswerte war: ich war der einzige, der eine positive Vision entworfen hat – wohingegen die Titel der anderen Vortragenden lauteten: Die Zukunft schrumpft, oder ärger noch: Wer hat mir meine Zukunft gestohlen? Ruft man sich ins Gedächtnis, dass die Aufgabe des Bildungsphilosophen darin bestünde, sich über der Lernen der Zukunft im Klaren zu sein, ist das Schrumpfen der Aufmerksamkeitsspanne auf die reine Gegenwart, ärger noch, das Abgleiten ins Ressentiment, fast grotesk – kann eine jede Rede darüber nur wortreiche Maskierung einer Unterlassungssünde sein. Diese Gedankenblockade artikuliert sich als Lähmung, so als wachte man gerade aus einem Alptraum auf. Ja, es scheint geradezu, als ob viele Menschen die Gegenwart überhaupt als eine Art Alptraum auffassten – was ein Philosoph auf die paradoxe Formel gebracht, nämlich, dass es einfacher sei, sich das Ende der Welt vorzustellen, als das Ende des Kapitalismus. So betrachtet erscheint die Apokalypse, das Ende der Welt, wie eine Wunschvorstellung ist – der Wunsch, dass dieser Alptraum, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint, endlich ein Ende haben möge.Aber ich will mich gar nicht lange mit Spekulationen aufhalten. Ich würde behaupten, dass der tiefste Grund für unser Unbehagen die Erschütterung ist, die mit der digitalen Kultur einhergeht – und weil ich einige Bücher zur Philosophie und zur Kulturgeschichte der Maschine geschrieben habe, bin ich mir deutlich bewusst, dass unseren Eliten noch nicht einmal in Ansätzen klar ist, was ihnen da widerfahren ist. Dies nebenbei ist der Grund, warum die Grundsätze, die man Ihnen in der Schule hat beibringen wollen, keine wirkliche Vorbereitung sind für das, was Ihnen in den nächsten Jahren bevorstehen wird. Wenn wir uns vor Augen halten, dass die KI einen nicht geringen Teil unserer White Collar Jobs überflüssig machen, genauer: sie in den Arbeitsspeicher, ins Museum der Arbeit überführen wird, ist klar, dass plötzlich große Teile unserer Gesellschaft mit einer höchst ...
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    38 min
  • Im Gespräch mit ... Carsten Lotz
    Jan 19 2026

    Weil es sich auch unter historischen Materialisten herumgesprochen hat, dass der Kapitalismus nicht auf einer Weltverschwörung, sondern auf einem Glaubenssystem beruht, fand ich die Gelegenheit, mit einem studierten Theologen, der in die Welt von McKinsey hinübergewechselt ist, über Gott und die Welt, nein, über Gott und das Geld zu sprechen, überaus reizvoll. Denn mit dieser Weitung der Perspektive versehen, lassen sich Fragen in den Blick nehmen, die nicht bloß die Genealogie unseres kapitalistischen Betriebssystems berühren, sondern zutiefst mit den Erschütterungen der Gegenwart zu tun haben: dem Glauben an die monetäre Verrechenbarkeit alles menschlichen Tuns. Und weil Carsten Lotz sich nicht bloß auf die Narrative der Ökonomie kapriziert, sondern, neben seinem theologischen Wissen auch die postmoderne Philosophie aufgesogen hat, haben wir uns ohne große Mühe in die Katakomben des ökonomischen Denkens hineinbegeben können – z.B. wie und warum die Ökonomen zu Zauberlehrlingen ihrer eigenen Welterklärungsmodelle haben werden und sich über die Zahlen- und Statistikgläubigkeit in die eigene Tasche haben lügen können. Damit aber sind Fragen berührt, die in unserer Ökonomie überlebenswichtig sind, umsomehr, als die Disruptionen, die uns mit den Fortschritten der Künstlichen Intelligenz ins Haus stehen, eine neue Wirtschaftskrise ahnen lassen. In diesem Sinn wäre das neoliberale Versprechen »It’s the economy, stupid« nicht als Abschluss aller Diskussion zu begreifen, sondern als Ausgangsfrage, ein Rätsel, das es erst noch zu entziffern gilt.

    Carsten Lotz, der als studierter Theologe den Weg in die Welt von McKinsey gefunden und über viele Jahre als Berater gearbeitet hat, hat mit seinem Buch Wirtschaft als erste Philosophie den Weg in die Selbstständigkeit gefunden. Neben seiner Arbeit als Autor und Berater hält er im Studiengang Master of Management Vorlesungen an der Universität Mannheim.

    Carsten Lotz hat veröffentlicht

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    1 h et 46 min
  • Talking to ... Suraj Yengde
    Jan 11 2026

    If the term Caste has recently entered the Human Sciences, this may be taken as evidence that European-style universalism has lost its appeal, and even as evidence that the idea has spread that here we’re dealing with an injustice that’s only been cloaked in a human, universalistic guise. When Indian theorist B.R. Ambedkar, ranked as the greatest Indian after Mahatma Gandhi in surveys, described the Indian caste system as »unknown to humanity in other parts of the world,« this finding becomes even more puzzling. This observation has given us the opportunity to speak with Suraj Yengde, who has not only addressed the caste system in two books but also experienced it firsthand as a member of the untouchable Dalit community—despite its prohibition under Indian law. Making this conversation even more interesting is his critical stance towards today’s culture of outrage, identifying Victim Olympics as a discipline that downplays or denies actual discrimination for its own benefit.

    Suraj Yengde received the 2019 Canadian Dr. Ambedkar Social Justice Award and is a fellow at Harvard University’s W.E.B. Du Bois Center, where he teaches and serves as a research associate in its Department of African and African American Studies. He was named one of the 25 Most Influential Young Indians of 2021 by GQ India.

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    1 h et 36 min
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